Geht man heute durch die Radegaster Straßen, kann man sich kaum noch vorstellen, dass der verschlafene kleine Ort eine nicht unbedeutende Tradition als Wirtschaftsstandort hat. Vor der Erhebung zum Marktflecken im Jahr 1727 dürfte die meisten Einwohner des damaligen Dorfes ihren Lebensunterhalt mit der Landwirtschaft finanziert haben. Mit den Märkten jedoch kam der Aufschwung. Wirtschaftszweige wie Handwerk, Gastronomie und Handel bestimmten fortan das Bild der entstehenden kleinen Stadt. Radegast erhielt ein Postamt, wurde Bahnknotenpunkt und Standort einer Likörfabrik und einer Zuckerfabrik, in der zu ihren besten Tagen mehr als 15 Prozent der örtlichen Bevölkerung ihr täglich Brot verdienten. Der Aufschwung war jedoch nicht von Dauer: Die Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren und nicht zuletzt der Zweite Weltkrieg hinterließen tiefe Narben im Wirtschaftsleben der Kleinstadt. Mit der DDR kam die Planwirtschaft, woraufhin die kleinen Handwerks- und Handelsbetriebe, die über ein Jahrhundert lang das Ortsbild prägten, verschwanden. Dafür etablierte sich auf dem Areal der ehemaligen Domäne ein Gestüt, das auch international einen sehr guten Ruf genoss. Doch dann kam die Wende, und mit ihr neue Herausforderungen, an denen der Ort leider bisher gescheitert ist.

Pelzhändler auf dem Jahrmarkt

Es ist noch gar nicht lang her, dass Radegast mal ein nicht ganz unbedeutender Marktflecken war. Dennoch gab es solche Zeiten - sicherlich begünstigt durch die Lage des Ortes an einer großen Handelsstraße. Sie begannen am 6. August 1727, als Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau - besser bekannt als "Alter Dessauer" - die Gemeinde Radegast mit der Verleihung der Marktrechte zum Marktflecken erhob.

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Collage: Die Zuckerfabrik in Radegast - früher und heute

Der tief liegende Lößboden des Fuhnetales bietet Rüben seit jeher gute Wachstumsbedingungen. Kein Wunder also, dass in dem landwirtschaftlich geprägten Gebiet der Anbau von Zuckerrüben zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen zählte. Das nur knapp 40 Kilometer lange Schienennetz der Dessau-Radegast-Köthener Bahn bediente einst ganze vier Zuckerfabriken - eine davon stand in Radegast.

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Dessau-Radegast-Köthener Bahn (DRKB)

Das 19. Jahrhundert war ein bedeutendes in der Geschichte der Deutschen und der Menschheit. Industrialisierung und Imperialismus sind zentrale Stichworte, die man mit dieser Epoche in Verbindung bringt.

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Ein Keramik-Tischgedeck

Historische Gebäude als letzte verbliebene Zeugen längst vergangener Zeiten - das sind die Radegaster Gasthöfe "Weißes Roß" und "Prinz von Anhalt". Hier wurde gegessen und geraucht, gezockt und gesoffen, gerichtet und getanzt, genächtigt und gesungen, getratscht und sicher auch mal gerauft.

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