Innenraum der Gaststätte Fleischer, 1967

Auch Fleischers Gaststätte in der Dessauer Straße war ein traditionsreiches Haus im Ort. Ihre Geschichte begann am 28. April 1867, als der Brauereipächter Louis Fleischer die Konzession zum Ausschank seines selbstgebrauten Bieres erhielt.

Wie lange Fleischer seine Brauerei vor 1867 schon betrieb, ist nicht bekannt. Aktenkundig ist jedoch, dass ihm das Herzogtum Anhalt im Jahr 1867 besagte Konzession erteilte. Ansonsten ist wenig bekannt über die frühen Jahre des Hauses, auch Abbildungen auf alten Ansichtskarten, wie es sie vom "Prinz von Anhalt", vom "Grenadier", dem "Weißen Roß" oder dem "Sanssouci" gibt, sind von der Gaststätte Fleischer nicht bekannt. Gewiss ist aber, dass der Brauereibetrieb in den 1940er Jahren unter der Leitung von Otto Fleischer noch existiert hat. Auch Mineralwasser und Brause produzierte das Unternehmen noch zur Mitte des 20. Jahrhunderts, wovon erhaltene Etiketten zeugen.

Anders als viele andere Gaststätten blieb das Haus Fleischer auch zu DDR-Zeiten in Privatbesitz. Mit der Zeit erarbeitete sich die Gaststätte einen guten Namen: Im Dezember 1961 wurde der zu dieser Zeit von Gertrud Fleischer geleitete Gastronomiebetrieb als "schönste Privatgaststätte im Bezirk Halle" ausgezeichnet. Zweimal erhielt die Gaststätte das Goldene Emblem beim Radiowettbewerb der Hotels und Gaststätten im Rahmen der Sendung "Kollege kommt gleich" und einen Eintrag ins Goldene Gästebuch von Radio DDR.

Nicht nur auf Ortsebene hatte das Lokal - zwischenzeitlich auch mal firmierend als Gaststätte "Zum schrägen Haifisch"! - einen guten Ruf: DDR-Showgrößen wie Eberhard Cohrs oder später auch Roland Neudert kehrten hier gern ein.

Im Jahr 1967 feierte man den einhundertsten Jahrestag der Konzessionserteilung - die Gaststätte war noch immer im Familienbesitz. Dies änderte sich erst im Jahr 1988, als das Lokal an Manfred Erl verpachtet wurde, der größere Pläne hatte: Für sein Hotel "Erlkönig" war der alte Standort der Gaststätte in der Dessauer Straße jedoch nicht mehr ausreichend - das Lokal wurde geschlossen und der "Erlkönig" in Nachbarschaft zum Gestüt eröffnet.

Die Räumlichkeiten der früheren Gaststätte Fleischer wurden nach der Wende an den Unternehmer Schlecker vermietet, der dort bis 2012 einen Drogeriemarkt betrieb. Seitdem wartet das Lokal nun auf eine neue Nutzung.