Horst Caspar 1946 als Beaumarchais / rechts Horst Caspar 1945

Die wohl berühmteste Persönlichkeit, die der Ort je hervorgebracht hat, kennt heute kaum mehr einer: Schauspieler Horst Caspar drehte in den 1930er und 1940er Jahren mit Filmgrößen wie Heinrich George, starb 1952 und ist heute so gut wie vergessen.

In "Horst Caspar. Ein Schauspieler im Wandel einer Epoche" heißt es, Caspars Vorfahren wären zumeist Landwirte, Rittergutsbesitzer und Offiziere gewesen. Auch sein Vater Max Caspar, geboren am 6. April 1877 in Mainz, schlug zunächst die militärische Laufbahn ein. Die Mutter namens Emmy, zwölf Jahre jünger als der Vater und eine geborene Hentschel, war die Tochter eines Hoteliers. Drei Söhne wurden der Familie Caspar geboren: Theodor, Hans und Horst, der eigentlich mit vollem Namen Horst Joachim Arthur heißt.

Am 20. Januar 1913 erblickte Horst Caspar in Radegast das Licht der Welt. Die bereits oben zitierte Quelle bezeichnet ihn als "sehr schwaches Kind, von einer schon kranken Mutter geboren". Bereits ein Vierteljahr später verließ der zukünftige Schauspieler die anhaltische Provinz zum ersten Mal in Richtung Berlin, denn die Leiden der Mutter verschlimmerten sich zusehends, so dass sie sich immer weniger ihrem Kind widmen konnte. Im Alter von nur fünfundzwanzig Jahren starb sie schließlich am 16. Juni 1914 an einer Lungenentzündung - Horst Caspar war damals gerade knapp eineinhalb  Jahre alt.

In Berlin kümmerte sich Nora Hartwich, eine Schwester des Vaters, um die Kinder. Nachdem der Vater ein zweites Mal geheiratet hatte, kehrten Theodor, Hans und Horst nach Radegast zurück. Auch dieser Aufenthalt war nicht von Dauer, da die neue, noch sehr junge Frau des Vaters mit den Kindern wenig anfangen konnte. So kehrten die Brüder schließlich nach Berlin zurück zu ihrer Tante. Dort besuchte Horst Caspar das Treitschke-Reform-Realgymnasium, die heutige Friedrich-Ebert-Oberschule in Berlin-Wilmersdorf. Im Frühjahr 1932 machte er dort sein Abitur. Bereits in seinem Zeugnis war vermerkt: "Horst Caspar will Schauspieler werden"  - der Beginn einer steilen, wenn auch kurzen Karriere.

Mit dem römischen Herold in Shakespeares "Coriolan" spielte Caspar seine erste Rolle am 19. September 1933. Er nahm Schauspielunterricht in der Schule von Lucie Höflich und Ilka Grüning - dort, wo auch spätere Filmgrößen wie Lilli Palmer, Inge Meysel oder Brigitte Horney ihr Handwerk erlernten. Sein erstes festes Engagement als Theaterschauspieler hatte er ab 1933 am Bochumer Stadttheater. 1938 wechselte er an die Münchner Kammerspiele, 1940 zurück nach Berlin zu einer der bedeutendsten deutschen Bühnen der damaligen Zeit, dem Schillertheater. Dort blieb er bis 1944 unter Vertrag. Seine schauspielerischen Leistungen müssen die nationalsozialistischen Machthaber beeindruckt haben, denn er erhielt eine Arbeitserlaubnis als Schauspieler, obwohl er nach den "Nürnberger Rassegesetzen" als "Mischling zweiten Grades", also als "Vierteljude" galt.

Parallel zu seiner Theaterkarriere stand Horst Caspar ab 1940 auch vermehrt vor der Kamera. Seine erste Hauptrolle war die des Friedrich Schiller in "Friedrich Schiller. Der Triumph eines Genies". Neben ihm spielten dort u. a. Hannelore Schroth, Heinrich George und Lil Dagover. 1943 bis 1945 stand er für den Propagandafilm "Kolberg" vor der Kamera, der im Auftrag des NS-Propagandaministers Goebbels die Deutschen zum Durchhalten motivieren sollte. Hier spielte er seine zweite Hauptrolle - die des jungen Majors August Neidhardt von Gneisenau, der im Jahr 1807 die preußische Festung Kolberg gegen die Truppen des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte verteidigte.  Am 20. Januar 1944 - seinem 31. Geburtstag - heiratete Caspar seine neun Jahre jüngere Schauspielerkollegin Antje Weisgerber. Mit ihr hatte er zwei Kinder: Sohn Frank und Tochter Renate. Nach Kriegsende wechselte er ans Düsseldorfer Schauspielhaus.

Eine weitere große Hauptrolle spielte er 1949: In dem Film "Begegnung mit Werther" spielte er erneut die Titelrolle. Seine letzte Filmrolle war die des Reporters Peter Zabel in der westdeutschen Krimi-Produktion "Epilog. Das Geheimnis der Orplid" aus dem Jahr 1950. In der WDR-Rundfunkproduktion von Goethes "Faust" (1949/1952) sprach er erneut die Rolle der Titelfigur.

Am 27. Dezember 1952 starb Horst Caspar im Alter von nur 39 Jahren in Berlin an einem Blutsturz. Am Tage seiner Beerdigung, dem 3. Januar 1953, schied auch sein an Krebs erkrankter Sohn Frank achtjährig aus dem Leben. Caspars Frau Antje Weisgerber starb am 29. September 2004 in Dortmund, wo sie bei ihrer Tochter lebte. Das Schauspielerehepaar und der verstorbene Sohn sind in einem Ehrengrab auf dem Kirchhof der St.-Annen-Gemeinde in Berlin-Dahlem beigesetzt. In Berlin und München lebt Caspars Name fort - hier benannte man Straßen nach dem Schauspielgenie. Das Doku-Fernsehspiel "George" ließ im Jahr 2013 seinen "Gneisenau" aus dem Propagandafilm "Kolberg" wiederauferstehen. Und auch sein Geburtsort Radegast würdigt nun endlich seinen berühmtesten Sohn: Seit Ende 2012 erinnert eine Gedenktafel auf dem Ehrenhof an Horst Caspar.