Straßenszene um 1870

Seit Fürst Leopold von Anhalt die Gemeinde Radegast am 6. August 1727 mit der Verleihung der Markt- und Stadtrechte zum Marktflecken erhob, fanden in Radegast Märkte statt. Wo Waren feilgeboten werden und Geldstücke den Besitzer wechseln, lassen auch Ganoven nicht lange auf sich warten.

 

Die städtische Chronik berichtet, dass zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu jedem Markt ein Militärkommando, bestehend aus einem Unteroffizier und vier Mann, nach Radegast abkommandiert wurde. Trotzdem waren Diebstähle während des Marktgeschehens an der Tagesordnung.

Beim Herbstmarkt im September 1816 wurden gleich drei Ganoven beim Stehlen erwischt. Dabei handelte es sich der Chronik zufolge um den Scharfrichterknecht Gotthelf Baum, Friederike Teufel und Dorothee Baum aus Schönebeck. Die Strafen waren empfindlich: Die Diebe wurden zu zwei Stunden am Halseisen sowie jeweils drei Jahren Zuchthaus mit "Willkomm' und Abschied" - sprich: einer Tracht Prügel bei der Einlieferung und der Entlassung verurteilt.

In Zerbst verbüßte die bereits vorbestrafte Friederike Susanne Bennemann, geb. Gieseler, aus Aken, ab 1829 eine dreijährige Zuchthausstrafe, weil sie auf dem Radegaster Markt am 2. März 1829 Messer und Gabeln im Wert von einem Taler gestohlen hatte.